EEG & Direktvermarktung

Direktvermarktung bei Photovoltaik einfach erklärt

Bei der Direktvermarktung verkauft ein spezialisierter Dienstleister den Strom einer PV-Anlage am Spotmarkt und reicht zusätzlich die Marktprämie ein, die den Unterschied zum anzulegenden Wert nach EEG ausgleicht. Für Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt ist das Modell grundsätzlich verpflichtend. Wirtschaftlich erreicht es das Niveau der festen Einspeisevergütung, bei steigenden Marktpreisen sogar darüber.

Direktvermarktung ist für viele Neu-Anleger das am wenigsten verstandene Element der EEG-Systematik. Dabei ist das Modell inzwischen Standard: Jede PV-Dachanlage mit mehr als 100 Kilowatt Leistung muss ihren Strom über einen Direktvermarkter verkaufen. Wie das konkret funktioniert, was es kostet und warum es wirtschaftlich kaum einen Nachteil gegenüber der festen Einspeisevergütung darstellt, erklärt dieser Artikel.

1. Die Grundidee in einem Satz

Direktvermarktung bedeutet: Der Strom einer PV-Anlage wird nicht mehr pauschal vom Netzbetreiber vergütet, sondern am Strommarkt verkauft. Der Anlagenbetreiber erhält den am Spotmarkt erzielten Preis plus eine staatliche Marktprämie, die den Unterschied zum EEG-Vergütungsniveau ausgleicht. In Summe ist das wirtschaftliche Ergebnis mit der festen Einspeisevergütung vergleichbar — mit leichtem Aufwärtspotenzial in Zeiten hoher Strompreise.

2. So wird die Marktprämie berechnet

Die Marktprämie ist der Kernbaustein der Direktvermarktung. Sie beträgt die positive Differenz zwischen dem anzulegenden Wert nach EEG — also dem Satz, der ohne Direktvermarktung gezahlt würde — und dem energieträgerspezifischen Monatsmarktwert. Liegt der Monatsmarktwert höher als der anzulegende Wert, entfällt die Marktprämie für diesen Monat; der Betreiber behält den vollen Marktpreis.

Ein vereinfachtes Zahlenbeispiel: Der anzulegende Wert beträgt 8,0 Cent pro Kilowattstunde. Der Monatsmarktwert liegt bei 5,2 Cent. Dann beträgt die Marktprämie 2,8 Cent, der Betreiber erhält in Summe also 8,0 Cent — genau das Niveau der festen Einspeisevergütung. Steigt der Monatsmarktwert auf 9,0 Cent, erhält der Betreiber 9,0 Cent und keine Marktprämie — also 1,0 Cent mehr als bei fester Vergütung.

3. Der Direktvermarkter — was er konkret übernimmt

Ein Direktvermarkter ist ein spezialisierter Energiedienstleister, der die operative Abwicklung der Direktvermarktung übernimmt. Der Anlagenbetreiber schließt mit ihm einen Dienstleistungsvertrag ab, typischerweise mit 12 Monaten Laufzeit und automatischer Verlängerung. Der Vermarkter übernimmt dann sämtliche Schnittstellen:

  • Anmeldung der Anlage bei Netzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber
  • Erstellung und Übermittlung von Stromprognosen (wichtig für Bilanzkreis)
  • Verkauf des produzierten Stroms am Spotmarkt
  • Abwicklung der Marktprämie mit dem zuständigen Netzbetreiber
  • Monatliche Abrechnung gegenüber dem Anlagenbetreiber
  • Meldung an Marktstammdatenregister und Herkunftsnachweisregister

Die Dienstleistungsgebühr wird in Cent pro Kilowattstunde abgerechnet und liegt typischerweise im Bereich von 0,2 bis 0,5 Cent. Sie reduziert das Nettoergebnis des Anlagenbetreibers entsprechend. Bei einem anzulegenden Wert von 8,0 Cent und einer Gebühr von 0,3 Cent verbleiben netto 7,7 Cent pro Kilowattstunde.

4. Wie die monatliche Abrechnung aussieht

Die Direktvermarktung rechnet retrograd ab — das heißt, die Abrechnung eines Monats erfolgt im darauffolgenden Monat, sobald der Monatsmarktwert offiziell festgelegt ist. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht diese Werte auf ihrer Website. Der Direktvermarkter stellt dem Betreiber typischerweise bis zum 20. des Folgemonats eine komplette Monatsabrechnung zur Verfügung, aus der Einspeisemenge, Marktpreis, Marktprämie und Vermarktungsgebühr transparent hervorgehen.

Die Marktprämie ist steuerlich eine Einnahme — wie die Einspeisevergütung. Sie wird in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder Gewinn-und-Verlust-Rechnung vollständig erfasst. Die Umsatzsteuer-Behandlung hängt davon ab, ob der Anlagenbetreiber die Kleinunternehmerregelung anwendet oder zur Regelbesteuerung optiert hat.

5. Vor- und Nachteile gegenüber fester Vergütung

Kriterium Direktvermarktung Feste Vergütung
Erlösuntergrenze = anzulegender Wert = Einspeisevergütung
Erlösobergrenze offen (Marktpreis kann steigen) fix
Vermarktungsgebühr 0,2–0,5 ct/kWh keine
Aufwand für Betreiber gering (Vermarkter übernimmt) keiner
Pflicht ab Anlagengröße ≥ 100 kWp < 100 kWp
Flexibilität Vermarkterwechsel ja, jährlich n/a

6. Worauf beim Direktvermarkter-Vertrag zu achten ist

  1. Transparente Gebührenstruktur: Die Vermarktungsgebühr sollte klar in Cent pro Kilowattstunde angegeben sein, ohne versteckte Zusatzentgelte.
  2. Laufzeit und Kündigung: Standardverträge laufen 12 Monate und verlängern sich automatisch. Eine Kündigungsfrist von drei Monaten ist üblich und ausreichend flexibel.
  3. Bonitätsprüfung: Der Direktvermarkter erhält zwischenzeitlich Beträge vom Netzbetreiber und leitet sie weiter. Eine Bonitätsprüfung ist sinnvoll, ein Bürgschafts- oder Treuhandmodell ist marktüblich.
  4. Prognose- und Abregelungsregelung: Die Verantwortung für Strompreisprognosen und die Kostentragung bei Abregelung sollten vertraglich klar geregelt sein.
  5. Reporting: Monatliche, standardisierte Abrechnungen mit allen relevanten Kennzahlen — Einspeisemenge, Marktwert, Marktprämie, Vermarktungsgebühr.

7. Sonstige Direktvermarktung — die Alternative ohne Prämie

Neben der geförderten Direktvermarktung mit Marktprämie gibt es die sonstige Direktvermarktung. Hier verzichtet der Anlagenbetreiber auf die Marktprämie und verkauft den Strom vollständig zum Marktpreis. Das Modell ist für Anlagen nach Ablauf der EEG-Förderung relevant sowie für Anlagen, die aus strategischen Gründen (etwa Power-Purchase-Agreements mit industriellen Abnehmern) einen festen Langfrist-Abnehmer suchen.

Kann ich die Direktvermarktung auch bei Anlagen unter 100 kWp nutzen?

Ja, sie ist freiwillig möglich. Wirtschaftlich lohnt sich das aber meist erst ab mehreren zehn Kilowatt, weil die Vermarktungsgebühren als absoluter Cent-pro-kWh-Wert auf kleine Anlagen stärker durchschlagen.

Was passiert, wenn der Strommarktpreis negativ wird?

Seit dem EEG 2023 greift die sogenannte Sechs-Stunden-Regel: Bei negativen Börsenpreisen über mehr als sechs Stunden entfällt der Vergütungsanspruch für diesen Zeitraum. In der Praxis tritt das für PV-Anlagen überwiegend an sonnenreichen Sommertagen mit geringer Last auf. Der Direktvermarkter drosselt die Anlage dann häufig gezielt.

Wer trägt das Risiko bei falschen Stromprognosen?

Das trägt vertraglich der Direktvermarkter, sofern er die Prognose erstellt. Er hat dafür Bilanzkreisverantwortung. In seltenen Fällen wird die Bilanzkreisabweichung auf den Betreiber weitergereicht — das sollte im Vertrag transparent geregelt sein.

Kann ich meinen Direktvermarkter wechseln?

Ja, in der Regel jährlich. Der Wechsel ist unkompliziert, die Anlage bleibt im laufenden Betrieb. Vergleichsplattformen spezialisieren sich auf den Vermittlungsprozess.

Nachvollziehbar belegt

Offizielle Quellen

Geprüft am 22. Juli 2026
  1. § 20 EEG (Marktprämie)Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet ↗
  2. § 21 EEG (Einspeisevergütung)Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet ↗
  3. Solaranlagen: Nutzung, Veräußerungsformen und PflichtenBundesnetzagentur ↗
  4. Marktwerte für die Marktprämie nach EEGNetztransparenz.de / deutsche Übertragungsnetzbetreiber ↗
Verfasst von

Fabian Rink

BauMit Holding AG. Der Beitrag dient der allgemeinen Information. Steuerliche, rechtliche und finanzielle Auswirkungen müssen für den konkreten Einzelfall mit entsprechend befugten Beratern geprüft werden.

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